Die Olympischen Spiele rücken näher und das Reich der Mitte macht, was es seit über 2000 Jahren praktiziert – Schotten dicht. Im digitalen Zeitalter heißt das: Internet cool down, unliebsame Web-Seiten werden von den Chinesen unzugänglich gemacht. Journalisten aus den USA, England, Frankreich oder Deutschland sind empört, Politiker ebenso. Denn freie Berichterstattung und Recherche ist so nicht mehr möglich.
Doch im Internet ist es wie einst in Troja: die Wahl der richtigen Mittel kann zum Sieg verhelfen. Damit die Presse- und Informationsfreiheit doch noch zum Zuge kommt, hat Netzwelt.de, mit 1,2 Mio. unterschiedlichen Usern führendes deutsches IT-Onlinemagazin, für alle Journalisten einen viersprachigen IT-Leitfaden erstellt (englisch, deutsch, französisch, spanisch). Dieser zeigt, wie die Internet-Zensur in China umgangen werden kann. Das betrifft sowohl Journalisten, die bereits in China sind, als auch jene, die gerade dabei sind, ihre Koffer für die Olympia-Berichterstattung fürs Reich des roten Drachens zu packen.
Dabei bietet der Netzwelt.de-Leitfaden weitaus mehr, als die generellen Empfehlungen für die Berichterstattung in diktatorischen Staaten, wie sie beispielsweise die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ ausspricht. Die Anti-Zensur-Anleitung „China-Kracher: Netzwelt.de-Leitfaden für Umgehung der Olympia-Zensur“ kann unter www.netzwelt.de/news/78257 heruntergeladen werden.
Ausgangslage
In China wird das Internet seit gut zehn Jahren staatlich kontrolliert. 1998 wurde das Projekt “Goldener Schild” von den chinesischen Sicherheitsministerien initiiert. Letztlich handelt es sich um eine der weltweit größten staatlichen Internet-Firewalls. Nach Expertenschätzungen arbeiten mehrere Tausend Zensoren in China daran, dass die mehr als 200 Millionen surfenden Chinesen im Internet vor allem das sehen, was die Regierung gestattet. Dabei fährt der rote Drachen eine umfangreiche IT-Maßnahme:
1. Statische Lösung: Unliebsame Websites werden über ihre IP-Adresse auf eine „Schwarze Liste“ gesetzt. Eine Firewall blockiert für jeden Computer in China diese Seiten. Eine IP-Adresse ist eine Identifikations-Nummer für den Rechner im Internet.
2. Filter-Lösung: Staatliche Zensoren installieren auf den zentralen chinesischen Servern Filter. Diese schließen nicht gewollte Internet-Adressen (URLs) aus, die Keywords enthalten, welche auf dem Index stehen. Das können Worte wie „blog“, „feed“ (Newsticker von Seiten), „Tibet“ oder „Press Freedom“ sein.
3. Des weiteren betreibt China das so genannte DNS-Poisoning: Normalerweise sorgt ein spezieller Server dafür, dass über den eingegebenen Namen der Webseite, die man aufruft, auf die dazugehörige IP-Adresse, also die Erkennungsnummer des Computers, Rückschlüsse gezogen werden können. Dass beispielsweise aus www.google.de die IP 209.85.129.147 wird, liegt am Domain Name System, das als Datenbank auf den Servern liegt. „Ändert China hier die Zuweisung, wird die Domain-Übersetzung im wahrsten Sinne vergiftet“, so Netzwelt.de-Redakteur Moritz Zielenkewitz.
Tor ins Reich der Mitte
Doch wie die Mauer aus Stein ist die chinesische Firewall nicht unüberwindbar. Die IT-Welt bietet ausgezeichnete Handwerkszeuge, um auch aus China heraus gesperrte Websites aufrufen zu können – ob nun als Olympia-Journalist oder normaler Tourist. Und so geht’s:
Chinakracher 1 – Firewall knacken mit Software in China:
Der Königsweg zum Knacken der chinesischen Internetzensur ist sicherlich das so genannte TOR-Computer-Netzwerk. Um sich in dieses Netzwerk einzuwählen, muss die hierzu gehörende kostenlose TOR-Software unter Netzwelt.de (www.netzwelt.de/software/4188) heruntergeladen werden. Jeder Computer mit einer installierten TOR-Software dient dann als Knotenpunkt im TOR-Netzwerk. Dabei fungieren Tausende Rechner weltweit als Vermittlungsstelle der eingehenden und ausgehenden Internet-Informationen.
Der Job des TOR-Netzwerkes ist es in diesem Fall die Zensurversuche auszutricksen. Das funktioniert folgendermaßen: Wer im Internet-Browser eine Webseite aufrufen will, kontaktiert dank TOR diese nicht auf direktem Weg. Stattdessen leitet das TOR-Netzwerk die Anfrage automatisch per Zufallsprinzip über die Knotenpunkte anderer Computer weltweit um. Das gleicht einem Ping-Pong-Spiel. Verbindet sich der letzte Knotenpunkt dann mit der ursprünglich angeforderten Internetseite, wird der Zulass gewährt, da die Vermittlung jetzt von einem Computer außerhalb Chinas kommt. Die Firewall-Zensur wurde umgangen. Möglich ist dies deshalb, da sich ständig – und für Regierungen unkontrollierbar – neue Rechner in das TOR-Netzwerk einwählen. Damit wird das nationalstaatliche Blockieren der zugehörigen IP-Adressen unmöglich gemacht, da diese mit jedem neu eingewählten Computer einem ständigen Wandel unterliegen. Detaillierte Erklärungen, ein Schritt-für-Schritt-Tutorial hierzu, bietet das Onlinemagazin Netzwelt.de unter www.netzwelt.de/news/74366 zum Herunterladen an.
Chinakracher 2 – Firewall knacken mit Software außerhalb Chinas:
Die aufwändigere und technisch bislang weniger gute Lösung stellt das kostenlose Programm Psiphon dar. Die Software steht zum kostenlosen Download unter www.netzwelt.de/software/7372 bereit. Im Gegensatz zum TOR-Netzwerk-Prinzip kann Psiphon nur unter größerem Aufwand genutzt werden.
Das Prinzip beruht darauf, dass der Journalist xy einen Helfer, beispielsweise in der heimatlichen Redaktion außerhalb Chinas, hat. Dieser installiert auf einem Computer außerhalb Chinas die Psiphon-Software. Möchte nun der Journalist in China ins Internet, so kontaktiert er den außerhalb Chinas stehenden Computer und geht über diesen Umweg ins Internet. So kann er auch Internet-Seiten besuchen, die eigentlich in China gesperrt sind. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass keinerlei Software direkt auf dem PC in China installiert werden müsste. Mögliche Software-Kontrollen durch stattliche Zensoren liefen somit ins Nirwana.
Chinakracher 3 – Firewall knacken ohne Software außerhalb- wie innerhalb Chinas:
Wer weder auf seinem Computer noch auf einem externen PC extra Software installieren möchte, um die China-Firewall zu umgehen, kann auch so genannte Rewebber nutzen. Dabei handelt es sich um spezielle Internetseiten wie zum Beispiel www.proxify.com. In gewisser Weise ersetzen diese Anbieter das übliche Eingeben einer Internetadresse im Browser. Stattdessen gibt man die gewünschte Webadresse in einem separaten Kasten auf www.proxify.com ein. Die Rewebber-Seite leitet nun die Anfrage nach der gewünschten Homepage erst über eigene Server um, bevor die Wunschadresse an die tatsächlich kontaktierte Webseite weitergeleitet wird.
Der Sinn: wie schon beim TOR-Netzwerk ist bei Nutzung von Rewebber-Seiten die individuelle IP-Adresse nicht mehr nach dem Ort lokalisierbar, von dem aus man eine Webseite aufgerufen hat, (also zum Beispiel China). Vielmehr erhält die aufgerufene Homepage irreführend eine IP-Adresse von Standort der Rewebber-Server. Möglicher Schwachpunkt: China könnte die Rewebber-Homepages sperren. Doch auch dieses sehen die Experten des deutschen IT-Onlinemagazins Netzwelt.de nicht als großes Hindernis an. So gibt es Dutzende nach dem gleichen Prinzip funktionierende Rewebber-Seiten, die über Suchmaschinen leicht auffindbar sind. Netzwelt.de empfiehlt neben Proxify beispielsweise Anonymouse.org oder Browseatwork.com.
Chinakracher 4 – e-Mails, Festplatten und Telefonate verschlüsseln gegen Schnüffler:
Die wichtigsten Schritte zur Wiedererlangung der Pressefreiheit hat Netzwelt.de jetzt aufgezeigt. Eine letzte Baustelle bleibt: der e-Mail-Verkehr. Hier gilt die Marschrichtung: e-Mails von Journalisten müssen gerade in Ländern wie China verschlüsselt empfangen und gesendet werden. China ist bekannt dafür, dass es weltweit Millionen von Internetschnüffel-Programmen auf fremden PCs installiert hat – beispielsweise über leichtsinnig heruntergeladene e-Mail-Anhänge von vermeintlichen „guten Freunden“. Denn längst ist es kein Problem mehr, selbst Absenderadressen von e-Mails zu fälschen. Wie man seinen e-Mail-Traffic verschlüsselt, das kann in einem gesonderten Netzwelt.de-Leitfaden unter www.netzwelt.de/news/78129 nachgelesen werden.
Netzwelt.de empfiehlt für die Verschlüsselung von e-Mails zwei kostenlose Programme: Zum einen die Software GnuPG. Sie kann unter www.netzwelt.de/software/7140 kostenlos heruntergeladen werden. Als weiteres Programm nennen die Netzwelt.de-IT-Experten die Software EnigMail, welche allerdings nur für die Outlook-Alternative Mozilla Thunderbird geeignet ist. (Link: www.netzwelt.de/software/7139). Mittels Verschlüsselung gesichert werden sollte auch die Computer-Festplatte, sofern dort sensible Daten gespeichert sind. Als computerinterne Freeware empfiehlt Netzwelt.de das Programm TrueCrypt. Unter www.netzwelt.de/news/77137 sind die wichtigsten Funktionen dieser Software erklärt.
Und zu guter Letzt gibt Netzwelt.de auch für das Telefonieren einen guten Rat: wer Angst vor chinesischen Mithörern hat, der kann über das Online-Telefonprogramm Skype ebenfalls verschlüsselt über den Computer telefonieren. Interessenten geben hierfür in ihren Browser www.netzwelt.de/news/77997 ein und laden sich das Programm herunter. Fazit: keine Firewall ist so stark, als dass sie nicht auch irgendwie umgangen werden könnte.
Quelle: Netzwelt.de, 1. August 2008. Nachdruck unter Quellenangabe und Verlinkung im Internet erlaubt und empfohlen.
Der komplette Leitfaden steht in deutsch, englisch, französisch und spanisch unter www.netzwelt.de/news/78257 zur Verfügung.
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