Ausstellung: Im Objektiv der Staatsmacht

Auf dem Campus Magdeburg, gleich am Eingang Breitscheidstraße, ist die Ausstellung bis zum 18. Mai zu sehen. Foto: Matthias Piekacz

Auf dem Campus Magdeburg, gleich am Eingang Breitscheidstraße, ist die Ausstellung bis zum 18. Mai zu sehen. Foto: Matthias Piekacz
 
Vom 1. April bis zum 18. Mai zeigt die Hochschule Magdeburg-Stendal auf dem Campus Magdeburg die Open-Air-Wanderausstellung „Im Objekt der Staatsmacht – Fußballfans im Blick von Volkspolizei und Stasi“ des Zentrums deutsche Sportgeschichte e.V. Unterstützt wird diese Präsentation von der Friedrich-Ebert-Stiftung Sachsen-Anhalt.

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) und die Deutsche Volkspolizei (DVP) gehen in der DDR repressiv und zuweilen brutal gegen Fußballfans vor: Aus Zuschauern und Fußballfans werden Beobachtete und immer wieder auch Kriminalisierte. Die engmaschigen Überwachungsmethoden lassen sich anhand der Fotoarchive von MfS und Volkspolizei dokumentieren. Die Open-Air-Ausstellung blickt durch die Linse der Staatsmacht und erzählt die Geschichte von Protest und Randale. Die Ausstellung ist ganztägig zwischen Haus 2 und 3 auf dem Campus Magdeburg zugänglich. 
 
Mit verdeckten Methoden – getarnt als Sportreporter, oder mit einer Kamera im Knopfloch – ermittelten die Späher des Staatssicherheitsdienstes in- und außerhalb der Stadien und hielten „verdächtige“ Fußballanhänger fotografisch fest. Der Klick des Auslösers war häufig der Beginn einer erkennungsdienstlichen Erfassung der Fans, von politischer Repression und Strafverfolgung.
Ins Objektiv der Staatsmacht gerieten Fußballanhänger aus vielerlei Gründen: Aufgrund regimekritischer Parolen, aber auch schon die vermeintliche Imitation westlicher Stadionkultur, mit Kutten und Sprechgesängen, bot Anlass zu Beobachtung und Verfolgung.

Herangezoomt wurden zudem „Delikte“, die es nur in DDR-Stadien gab: Sympathiebekundungen gegenüber bundesdeutschen Vereinen und Spielern wurden regelmäßig erfasst. Denn Grüße an den FC Bayern oder die DFB-Elf entsprachen nicht der parteioffiziellen „Abgrenzung“ vom westdeutschen „Klassenfeind“. Der Ruf „Hertha und Union – eine Nation“ galt als Provokation der Staatsmacht. 

Unter Beobachtung standen ebenfalls gewaltbereite Fußballfans. Seit Ende der 1970er Jahre existierten auch in der DDR Skinheads und Hooligans, die mit Gewalt und rechtsradikalen sowie antisemitischen Parolen auftraten. Als unpolitisches „Rowdytum“ heruntergespielt, standen sie im Fokus der Sicherheitskräfte.

Die Ausstellung ist zweisprachig (deutsch/englisch) und über QR-Codes mit einer
Website verknüpft, auf der die englischsprachigen Texte, weitere Fotos und vertiefende Audio-Kommentare sowie kurze Filme abrufbar sind: im-objektiv-der-staatsmacht.de

Veranstaltungshinweis:
Zu diesem Thema sprechen am 20. Mai, 17 Uhr Dr. René Wiese, Andreas Käckell und Dirk Schlegel im Landesarchiv (Brückstr. 2). Es ist eine Veranstaltung des Landesarchivs.

Kontakt

Pressesprecher Norbert Doktor

Pressesprecher
Norbert Doktor

Tel.: (0391) 886 41 44
Fax: (0391) 886 41 45
E-Mail: pressestelle@h2.de

Besucheradresse: Haus 4, Raum 1.03

Kontakt und Anfahrt

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