Demokratie vor Ort stärken

Mit einfachen Mitteln wird der Bezug zum Projekt öffentlich gezeigt. Foto: Laura Litschel

Stendal-Stadtsee, Magdeburg Neu-Olvenstedt und Halle-Silberhöhe: Drei Stadtteile, in denen sozialer Druck den Alltag prägt. Viele Menschen gehen nicht wählen, Mitsprache bleibt oft theoretisch und antidemokratische Einstellungen sind keine Randerscheinung mehr. Genau hier setzt das Projekt „Demokratie mobilisieren“ (DeMo) an.

Das Projekt des Instituts für demokratische Kultur der Hochschule Magdeburg-Stendal und der SozialStärken gGmbH in Stendal arbeitet gemeinsam mit den Partnern Internationalen Bund in Magdeburg und der AWO SPI in Halle. Ziel ist es, politische Bildung dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird – nicht belehrend „von oben“, sondern im Dialog.

„Wir lernen von den Menschen vor Ort: Welche Themen bewegen sie? Was sind ihre Ziele? Und was können wir gemeinsam im Stadtteil verändern?“, erklärt Projektleiterin Dr. Laura Litschel. Dabei wird deutlich: Gesellschaftliche Spannungen, die im Großen sichtbar sind, zeigen sich auch im Kleinen der Quartiere. Genau hier soll Solidarität wachsen.

Die Angebote sind bewusst leicht zugänglich: Nachbarschaftscafés, Frühstücksrunden, eine offene Fahrrad-Werkstatt, Kinoabende oder eine mobile Suppenküche bringen Menschen zusammen. Was stattfindet, richtet sich nach den Wünschen der Anwohnenden. In Gesprächen entstehen Ideen, aus denen konkrete Aktionen folgen. So werden auch Ausflüge politisch gedacht: „Wir waren bei Karls Erdbeerhof und haben das genutzt, um ganz praktisch über Arbeitsmigration zu sprechen. Also darüber wie Erdbeeren angebaut werden, unter welchen Bedingungen geerntet wird, wer diese Arbeit macht und was das alles mit Mobilität und Migration zu tun hat“, sagt Laura Litschel.

Zuletzt erfuhr das Projekt jedoch eine unerwartete Wendung: Im Zuge der jüngsten Mittelkürzungen des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms Demokratie leben! wird das Anfang 2025 gestartete Vorhaben nun bereits zum Jahresende beendet – statt wie ursprünglich vorgesehen über vier bis acht Jahre fortgeführt zu werden.

Trotz der kurzen Laufzeit zeigt das Projekt bereits Wirkung. „Eine Teilnehmerin hat neulich gesagt, dass sie nun ganz anders auf demokratische Themen schaut und rassistische sowie demokratiegefährdende Einstellungen selbst in der eigenen Familie kritisch hinterfragt. Das hat gezeigt, wie viel Gespräche und „Dranbleiben“ bewirken können“, sagt die Stendaler Projektkoordination Nanette Blasche. Sichtbare Zeichen setzen auch Aktionen im öffentlichen Raum: In Neu-Olvenstedt entstand nach rechtsextremen Schmierereien ein großes Wandbild für Vielfalt. Durch die Zusammenarbeit mit Quartiersmanagements, Netzwerken und Ehrenamtlichen hofft das Projektteam, dass die Ideen auch ohne weitere Förderung bestehen bleiben.

Wer mitmachen möchte, hat dazu Gelegenheit: In Stendal-Stadtsee findet unter anderem jeden zweiten Dienstag im Monat ein kostenloser Kinoabend statt. In Magdeburg-Neu Olvenstedt lädt das Projekt jeden Dienstagnachmittag zur Suppenküche ein. Kommende Veranstaltungen und Informationen zum Projekt finden sich unter: demokratiemobilisieren.de.

Von Laura Naujoks

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