Deponie als Naturrefugium

Eine arten- und strukturreiche Umgebung wie hier nordöstlich der Deponie im Elbauenpark könnte für die Nachnutzung der Deponie in Schkopau eine Möglichkeit sein. Foto: Laura Naujoks

Eine arten- und strukturreiche Umgebung wie hier nordöstlich der Deponie im Elbauenpark könnte für die Nachnutzung der Deponie in Schkopau eine Möglichkeit sein. Foto: Laura Naujoks

420 Fußballfelder – so groß ist die Hochhalde bei Schkopau. Mit rund 300 Hektar ist sie Deutschlands größte Industrie-Deponie. Jahrzehntelang wurden dort Abfälle aus der Chemieproduktion abgelagert. Die Sanierung wird noch rund 40 Jahre dauern. Die Frage ist: Was wird aus der Fläche?


Eine mögliche Antwort liefert Helen Winkel von der Hochschule Magdeburg-Stendal. In ihrer Masterarbeit im Studiengang Ingenieurökologie untersuchte sie gemeinsam mit der MDSE Mitteldeutschen Sanierungs- und Entsorgungsgesellschaft, ob die stillgelegte Deponie für die Förderung der Artenvielfalt genutzt werden könne. „Um Biodiversität zu stärken oder zu erhalten, braucht man möglichst ungestörte Bereiche“, erklärt Winkel. Wenig menschliche Eingriffe, keine Düngung und keine intensive Bodenbearbeitung seien wichtige Voraussetzungen. Vieles davon könne eine stillgelegte Deponie bieten, wenn sie nach der Stilllegung fachgerecht abgedeckt und begrünt wird.

Einfach die natürliche Vegetation der Umgebung nachzubilden, funktioniert allerdings nicht. „Eine Deponie ist eben auch ein technisches Bauwerk“, sagt Winkel. So darf die aufgebrachte Bodenschicht nur eine bestimmte Menge Wasser durchlassen, damit möglichst wenig Sickerwasser entsteht, dass das Grundwasser verunreinigen würde. Hinzu kommen weitere technische Vorgaben. Die offene Lage der Hochhalde und die niederschlagsarme Region stellen zusätzliche Herausforderungen dar. Eine Nutzung als Freizeit- oder Naherholungsgebiet sei bei Deponien grundsätzlich denkbar. Bei der Hochhalde Schkopau sei dies wegen der Altlasten und den damit verbundenen besonderen Sicherheitsanforderungen nicht möglich. Winkel hat deshalb untersucht, welche Lebensräume technisch umsetzbar und zugleich ökologisch wertvoll sind. Als besonders geeignet erwiesen sich artenreiche Mähwiesen und Halbtrockenrasen. In bestimmten Bereichen könnten zudem tiefer wurzelnde oder höher wachsende Pflanzen angesiedelt werden, die Regenwasser aufnehmen, bevor es die Altlasten erreicht. „Die Natur übernimmt eine kostenlose Ökosystemleistung.“, erklärt sie.

Auch wirtschaftlich könnte sich die ökologische Nachnutzung lohnen. Winkel identifizierte drei Finanzierungswege: CO₂-Zertifikate, Ökopunkte und Fördermittel für bestimmte Tierarten. Während CO₂-Zertifikate die gebundene Kohlendioxidmenge bewerten, richten sich Ökopunkte nach dem ökologischen Wert einer Maßnahme. Ein artenreicher Eichenwald erhält deutlich mehr Punkte als eine einfache Rasenfläche.
Ihre Berechnungen zeigen, dass über Ökopunkte deutlich höhere Erlöse erzielt werden könnten als allein über CO₂-Zertifikate. Für die Deponiebetreiber sei diese Erkenntnis neu und interessant gewesen.

Auf ihre Aufgabe vorbereitet wurde sie durch ihr Studium. Projektarbeiten hätten ihr wichtige praktische Erfahrungen vermittelt. So begleitete sie im zweiten Semester ein Renaturierungsprojekt in der Nähe von Tangerhütte von der Planung bis zur Umsetzung.

Ob und welche Vorschläge tatsächlich umgesetzt werden, ist offen. „Ich hoffe, dass meine Arbeit zumindest dazu beiträgt, weitere Möglichkeiten für die Nachnutzung solcher Flächen aufzuzeigen“, sagt die ehemalige Studentin, die inzwischen als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule arbeitet.
Text: Laura Naujoks

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