Doppelt qualifiziert nach dualem Studium
Michael Jakobi, Laboringenieur für Vermessung, erläutert dem Studenten Hauk Vullriede die Technik. Foto: Andreas Braun
Die Hochschule Magdeburg-Stendal baut das duales Studienangebot weiter aus und setzt dabei auf zwei Modelle: praxisintegrierend und ausbildungsintegrierend. Für Studieninteressierte eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten, Theorie und Berufspraxis zu verbinden. Unternehmen gewinnen früh qualifizierte Nachwuchskräfte, die Hochschule stärkt ihre Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft und Studierende sammeln bereits während des Studiums wertvolle Praxiserfahrung.
Das Modell, das sich im Studiengang Bauingenieurwesen bereits bewährt hat, wird ab dem kommenden Wintersemester auf weitere Studiengänge ausgeweitet. Studierende können zwischen zwei dualen Varianten wählen: Während beim praxisintegrierenden Studium längere Praxisphasen mit dem Studium kombiniert werden, verbindet das ausbildungsintegrierende Modell zusätzlich eine vollwertige Berufsausbildung mit dem Bachelorabschluss.
30 Tage Urlaub im Jahr
Der 22-jährige Quedlinburger Hauke Vullriede hat sich genau dafür entschieden. Neben dem Studium absolviert er eine Ausbildung im Bauwesen bei der Industriebau Wernigerode GmbH. „Ich wollte unbedingt eine handwerkliche Ausbildung machen. Gleichzeitig wusste ich, dass ein Studium ebenfalls zu mir passt.“ Für ihn war das Modell vor allem eine Frage der Zeitersparnis: Erst eine Ausbildung und danach ein Studium zu absolvieren, hätte deutlich länger gedauert. Zudem schätzt er die Mischung aus Theorie und Praxis sowie die finanzielle Unterstützung, die sich aus der Vergütung durch seinen Ausbildungsbetrieb ergibt. „Man hat zwar keine Semesterferien, aber 30 Tage Urlaub im Jahr tun es für mich auch.“
Das Modell verlangt Organisationstalent und Durchhaltevermögen. Vorlesungen, Praxisphasen und Prüfungen greifen eng ineinander. Dafür profitieren Studierende mehrfach: Neben dem Bachelor erwerben sie eine zusätzliche berufliche Qualifikation und sammeln früh praktische Erfahrung. „Ich habe auf der Baustelle direkt gemerkt, ob das, was ich in der Vorlesung gelernt habe, auch umgesetzt werden kann.“
Gegenseitiger Vorteil
Dass dieser Wissenstransfer keine Einbahnstraße ist, sondern auch die Lehre bereichert, beobachtet Prof. Dr. Thomas Harborth aus dem Fachbereich Wasser, Umwelt, Bau und Sicherheit täglich: „Dual Studierende mit einer parallelen baugewerblichen Ausbildung schlagen eine Brücke zwischen Hörsaal und Baustelle. Sie bringen aktuelle Praxiserfahrungen in die Vorlesungen und Seminare ein und verknüpfen theoretische Inhalte direkt mit den Anforderungen des Berufsalltags. Dadurch entstehen lebendige Diskussionen auf hohem fachlichem Niveau, oft auf Augenhöhe. Von diesem Austausch profitieren alle Studierenden. Für mich als Professor ist es besonders wertvoll zu erleben, wie sich Theorie und Praxis gegenseitig ergänzen und das Verständnis für das Bauingenieurwesen vertiefen.“
So wertvoll die Verbindung von Studium und Berufspraxis ist, sie verlangt den Studierenden auch einiges ab. Arbeit, Prüfungen und Studium zu vereinbaren, ist anspruchsvoll. Der Aufwand lohnt sich jedoch, denn viele Betriebe übernehmen ihre Studierenden.
Unternehmen binden Nachwuchskräfte früh an den Betrieb und qualifizieren sie gezielt für ihre Anforderungen. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels gewinnt das duale Studium deshalb an Bedeutung. Auch für die Hochschule ist das Modell ein Gewinn. Die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen stärkt den Praxisbezug in der Lehre und schafft direkte Verbindungen zwischen Studium, Wirtschaft und Berufseinstieg. Die Kombination aus wissenschaftlichem Studium, praktischer Erfahrung und enger Unternehmensanbindung macht das duale Studium an der Hochschule Magdeburg-Stendal für viele junge Menschen attraktiv. Hauke Vullriede sieht sich auch zukünftig bei seinem Ausbildungsbetrieb und bilanziert: „Ich würde meinen Bildungsweg genauso wieder einschlagen.
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