Fachtag Neurodiversität mit großem Zuspruch
Prof. Dr. Claudia Wendel eröffnet den Fachtag Neurodiversität in Stendal. Foto: Kerstin Seela
Stendal. Der Fachtag Neurodiversität, zu dem der Arbeitskreis Neurodiversität des Landkreises Stendal am 29. April 2026 an die Hochschule Magdeburg-Stendal am Standort Stendal eingeladen hatte, ist auf sehr große Resonanz gestoßen. Alle 250 Plätze waren ausgebucht, auch die angebotenen Workshops waren vollständig belegt. Auf dem Programm standen eine Auftaktveranstaltung im Audimax, zwei Workshop-Phasen, ein Markt der Möglichkeiten sowie eine wissenschaftliche Posterpräsentation.
Für die Hochschule Magdeburg-Stendal war der Fachtag auch deshalb von besonderer Bedeutung, weil Neurodiversität im Hochschulalltag stärker mitgedacht werden muss. An deutschen Hochschulen gewinnt das Thema zunehmend an Relevanz: Schätzungen zufolge sind 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung neurodivergent. Immer mehr Studierende mit AD(H)S, Autismus, Dyslexie, Dyskalkulie oder anderen Formen der Neurodivergenz fordern passende Studienbedingungen. Auch wenn die offiziellen Zahlen bislang vergleichsweise gering sind, ist von einer deutlich höheren Dunkelziffer auszugehen.
Neurodivergente Menschen nehmen die Welt und Sinnesreize oft anders wahr als neurotypische Menschen. Eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Licht oder Gerüchen kann die Folge sein. Gleichzeitig fehlen an Hochschulen vielerorts noch Ruhe- und Rückzugsräume. Wenn Studienbedingungen für möglichst viele gut gestaltet werden sollen, müssen solche Aspekte stärker berücksichtigt werden.
Wie konkret diese Fragen im Hochschulalltag werden, zeigte unter anderem der Workshop „Neurodivers studieren – Perspektiven verstehen, Hochschule gestalten“, den Prof. Dr. Claudia Wendel (Hochschule Magdeburg-Stendal) gemeinsam mit Studierenden gestaltete. Im Mittelpunkt standen Erfahrungen neurodivergenter Studierender, strukturelle und individuelle Herausforderungen im Studienalltag sowie die Frage, wie eine Hochschule aussehen kann, die unterschiedliche Lebens- und Lernerfahrungen stärker berücksichtigt. In den Rückmeldungen wurde besonders hervorgehoben, dass der Workshop verdeutlicht habe, wie schnell neurodivergente Studierende im Hochschulbetrieb übersehen werden können und wie wichtig es ist, ihre Perspektiven systematisch in die Hochschulentwicklung einzubeziehen.
Einen weiteren Zugang eröffnete der Workshop „Neurodivergent arbeiten, lernen, teilhaben“ des Kompetenzzentrums Inklusive Bildung Sachsen-Anhalt (ebenfalls Hochschule). Gemeinsam mit Bildungsfachkräften als Expert:innen in eigener Sache setzten sich die Teilnehmenden mit Neurodivergenz, Stereotypen, Barrieren, Reizüberforderung und individuellen Stärken auseinander. Teilnehmende hoben hervor, dass die persönlichen Einblicke und die konkrete Auseinandersetzung mit Barrieren wichtige Denkanstöße für Studium, Lehre und Arbeitsalltag gegeben hätten.
Prof. Dr. Claudia Wendel betont die Bedeutung des Fachtags für die Hochschule: „Die Hochschule Magdeburg-Stendal bot mit dem Fachtag Neurodiversität einen Raum, in dem wissenschaftliche Perspektiven, persönliche Erfahrungen und professionelles Handeln in einen intensiven Austausch treten konnten.“ Mit Blick auf die weitere Entwicklung der Hochschule erklärt sie: „Unser Ziel ist es, die Hochschule als einen Ort zu gestalten, an dem Studieren für alle möglich ist – diversitätssensibel, zugänglich und offen für unterschiedliche Lebens- und Lernerfahrungen.“
Mit der hohen Beteiligung und der positiven Resonanz hat der Fachtag deutlich gemacht, dass Neurodiversität auch für Hochschulen kein Randthema ist, sondern eine konkrete Frage guter Studienbedingungen und gelingender Teilhabe.
Text: Sandra Rodwell


