Groß denken, lokal gründen
Prof. Dr. Michael Herzog, Wilfried Rulands und Thurid Rickmann (v.l.) stellten im Sommer das Projekt TECHSIGHT auf der „GITEX AI Europe“ Messe in Berlin vor. Foto: Michael Herzog
Was nervt mich im Alltag? Wo liegen Probleme – und wie könnte Technik helfen, sie zu lösen? Mit diesen Fragen setzte sich Thurid Rickmann in einer Lehrveranstaltung auseinander. Die Studentin der Nachhaltigen Betriebswirtschaftslehre im fünften Semester an der Hochschule Magdeburg-Stendal sollte ein reales Problem ausfindig machen und dafür eine technologische Lösung entwickeln.
„Am meisten Spaß gemacht hat mir dieses Denken ohne Grenzen“, sagt Rickmann. Es gehe darum, Probleme nicht nur innerhalb bestehender Strukturen zu betrachten, sondern sich zu fragen, was überhaupt möglich wäre. „Natürlich wird es irgendwann irgendwo eine Grenze geben. Aber ich glaube, diese Grenze liegt weiter entfernt, als wir manchmal denken.“
Der Kurs ist Teil des EU-Projekts TECHSIGHT, mit dem die Hochschule technologieorientierte Gründungen fördern und junge Talente international vernetzen will. Während in Süddeutschland und großen Metropolregionen rund um Künstliche Intelligenz, Robotik oder Quantencomputing Innovationscluster entstehen, soll auch Mitteldeutschland stärker von solchen Zukunftstechnologien profitieren.
„Wer heute eine technologieorientierte Produktidee entwickelt, darf nicht mehr nur lokal oder national planen. Man muss von Anfang an global denken, um am Markt zu bestehen“, sagt Professor Michael Herzog von der Hochschule Magdeburg-Stendal. Gemeinsam mit sechs europäischen Partnerhochschulen will die Hochschule Studierende dafür sensibilisieren.
Dabei lernen die Teilnehmenden, technologische Entwicklungen zu beobachten, Trends frühzeitig zu erkennen und die Erfolgschancen neuer Geschäftsmodelle einzuschätzen. Die Kurse sollen virtuell stattfinden, internationale Experten die Arbeit begleiten. In länderübergreifenden Teams sollen die Studierenden eigene Visionen und Geschäftsmodelle entwickeln.
Wie das funktioniert, wurde bereits in einem Pilotkurs mit rund 170 Teilnehmenden erprobt – darunter Rickmann. Zu ihren Aufgaben gehörte auch, eine sogenannte „Buyer Persona“ zu entwickeln. „Wir sollten uns eine Geschäftsidee ausdenken und dafür eine fiktive Person, die einen typischen Kunden repräsentiert, erstellen. Um genau zu verstehen, wie diese Person tickt, welche Bedürfnisse und Probleme sie hat und wie hoch ihr Einkommen ist.“
Für Herzog bietet Sachsen-Anhalt dabei bessere Bedingungen für Gründer, als es auf den ersten Blick scheint. Die Region liege nahe der Metropole Berlin und habe zahlreiche Förderprogramme. Deren Mittel würden jedoch häufig nicht ausgeschöpft, weil es an ausgereiften Projekten fehle. Hinzu kämen weniger Konkurrenz um Fördergelder sowie persönliche Unterstützung durch regionale Netzwerke und die Hochschule.
Die im Projekt entwickelten Inhalte sollen langfristig in die Studiengänge einfließen. Denn unternehmerisches Denken und der Blick auf technologische Trends sind laut Herzog nicht nur für künftige Gründer wichtig. Auch wer später in einem bestehenden Unternehmen arbeitet, könne dort zum Innovationstreiber werden.
Ab dem kommenden Wintersemester plant die Hochschule zudem ein offenes Angebot für alle, die bereits eine erste Gründungsidee im Kopf haben. Weitere Informationen gibt es hier.
Text: Laura Naujoks


