Hochschule in erster Liga der Biomechanikforschung
Während der Präsentation dabei: Rektorin Prof. Dr. Manuela Schwartz (l.), Minister Prof. Dr. Armin Willingmann (2.v. l.) und Prof. Dr. Olaf Ueberschär (r.). Foto: Matthias Piekacz
Magdeburg. Mit dem „Instrumentierten Laufband für innovative biomechanische Forschung“ steht der Hochschule Magdeburg-Stendal ab sofort ein echtes Hightech-Highlight für Forschung und Lehre zur Verfügung. Was auf den ersten Blick wie ein klassisches Laufband wirkt, ist in Wahrheit ein hochpräzises Messsystem, das menschliche Bewegung in einer neuen Detailtiefe sichtbar macht.
Die Idee, Laufen und Bewegung nicht nur zu beobachten, sondern wirklich zu verstehen steht im Mittelpunkt der Forschung. Das instrumentierte Laufband erfasst in Kombination mit 3D Motion Capture (digitale Aufzeichnung von Bewegungen) Bewegungsdaten genau und schafft damit die Datengrundlage für neue Analyse- und Rechenverfahren in der Biomechanik. Besonders spannend: Zum Einsatz kommen dabei auch sogenannte Inertialsensoren (IMU – Inertial Measurement Unit). Diese kleinen Sensoren messen Beschleunigungen, Drehbewegungen und Lageveränderungen und ermöglichen so die Übertragung detaillierter Bewegungsanalysen aus dem klassischen Labor ins Feld.
Das System wird künftig eine zentrale Rolle in Forschung und Lehre im Bereich Biomechanik, Sportwissenschaft und Mensch-Technik-Interaktion spielen. Neben der Datenerhebung dient es als Testumgebung für neue Methoden und Algorithmen. Dabei werden Verfahren erforscht, mit denen sich biomechanische Aspekte der Laufbewegung auf Basis der Sensordaten auch außerhalb des Labors zuverlässig bewerten lassen.
Geleitet wird der Forschungsbereich von Professor Dr. Olaf Ueberschär, der gemeinsam mit seinem Team die Lauf- und Ganganalyse an der Hochschule Magdeburg-Stendal weiterentwickelt. Für die Studierenden bedeutet dies, Forschung zum Anfassen und Arbeiten mit Technik auf internationalem Spitzenniveau zu erleben. Professor Ueberschär ist sicher: „Mit dieser neuen, hochmodernen Ausstattung dürfen wir nun in der ,ersten Liga‘ der internationalen Biomechanikforschung mitspielen. Das macht uns stolz und wir sind sehr dankbar für die Unterstützung der Europäischen Union und des Landes Sachsen-Anhalt dabei.“
Das Laufband ergänzt die neue Ausstattung im Bereich Lauf- und Ganganalyse optimal. Dazu gehören unter anderem 3D-Motion-Captur-System und eine integrierte 3D-Bodenreaktionskraftmessung. Gemeinsam entsteht so eine Forschungsumgebung, die in dieser Form in Mitteldeutschland sehr selten ist und neue Möglichkeiten sowohl für die Grundlagenforschung als auch für praktische Anwendungen eröffnet. Gerade in Bereichen wie Leistungssport, Rehabilitation oder Prävention können die Ergebnisse künftig eine wichtige Rolle spielen. Auch für Unternehmen aus der Gesundheits- und Medizintechnik ergeben sich dadurch interessante Kooperationsmöglichkeiten.
Finanziert wurde das Großgerät mit insgesamt 317.500 Euro. 60 Prozent stammen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), 40 Prozent vom Land Sachsen-Anhalt. Damit ist das Projekt ein starkes Beispiel dafür, wie europäische und regionale Förderung gemeinsam Wissenschaft voranbringen können. Eingeweiht wurde das neue Forschungslabor im Beisein von Wissenschaftsminister Professor Dr. Armin Willingmann – ein sichtbares Zeichen für die Bedeutung des Projekts für den Wissenschaftsstandort Sachsen-Anhalt.
Kontaktadresse für Interessierte: bewegungslabor@iwid.h2.de
Text: Paula Charlotte Völker


