Installation „Protest(w)ende“ auf dem Stendaler Marktplatz

Günter Mey lädt zum 3. Mal zum „wi(e)der-sprechen! Stendal 89/90“ ein

Günter Mey lädt zum dritten Mal zum „wi(e)der-sprechen! Stendal 89/90“ ein Foto: Kerstin Seela

Stendal. Nach 2024 und 2025 heißt es zum dritten Mal „wi(e)der-sprechen! Stendal 89/90“. In der ersten Novemberwoche ist auf dem Stendaler Marktplatz die Installation „Protest(w)ende“ zu sehen. Mit dieser soll wird nicht nur an die vor über drei Jahrzehnten stattgefundene „friedliche Revolution“ in Stendal erinnert, sondern ebenso angesichts der politischen Lage in Sachsen-Anhalt gefragt, wie es heute um Demokratie und Freiheit steht. Außerdem geht es in der Diskussion „Über Freiheit …“ am 5.11. um drohende Einschränkungen in Wissenschaft, Kunst und Presse. 

Mitten auf dem Marktplatz in Stendal steht für wenige Tage eine Installation mit dem Titel „Protest(w)ende“, bestehend aus original getreu nachgebildeten Protestschildern, die für die Wünsche, Sehnsüchte und Forderungen stehen, damals im Herbst 89. In Kontrast dazu lassen die auf den Bannern zu lesenden Worte erahnen, mit wie viel Enttäuschung auf die „Wende“ im Rückblick geschaut wird. 

Bei der künstlerischen Intervention handelt es sich um die dritte Aktion von Professor Günter Mey von der Hochschule Magdeburg-Stendal, der mit Förderung des BMBF im Wissenschaftsjahr 2024 zum Thema „Freiheit“ – die „friedliche Revolution“ in Stendal in vielen Interviews mit damals politisch Aktiven und umfänglicher Dokumentenrecherche sowie Mitmach-Aktionen aufgearbeitet hat. Auch diesmal möchte er mit der Installation „Protest(w)ende“ an die Wendezeit erinnern, aber gleichzeitig soll es als „temporäres Denkmal“ anregen, angesichts der sich veränderten politischen Lage in Sachsen-Anhalt über die Frage nach der Verfasstheit von Demokratie und dem Wert der Freiheit nachzudenken. 

Diesmal hat sich Mey für eine sehr reduzierte Präsentation entscheiden und als Start bewusst den 4. November gewählt. Jener Tag, an dem sich 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz fast eine halbe Million Menschen versammelten und sich die Reden anhörten, die neben Vertretenden aus Politik und Gesellschaft viele Kulturschaffende hielten. Neben Worten, die Mut machten und Visionen für ein neues wirklich demokratischen Deutschland entwarfen, mahnte etwa der Theologe Friedrich Schorlemmer: „Ohne die wache Solidarität aller demokratischen Kräfte wird es nicht gelingen, eine lebensfähige Demokratie aufzubauen, die Zersplitterung der Demokratien ist stets die Stunde der Diktatoren.“ Für Projektleiter Mey sind diese Worte aktueller denn je. „Niemand hatte damals im November 89 gedacht, dass die Mauer nur fünf Tage später geöffnet wurde, und niemand hat jemals gedacht, dass die erkämpften Freiheiten, für die Presse, in der Wissenschaft oder Kunst, so massiv bedroht werden könnten, wie es sich aktuell abzeichnet.“ 

Deshalb hat er auch zu einer Diskussion am 5. November am Winckelmannplatz (15.00 bis 16.30 Uhr) eingeladen. Unter dem Titel „Über Freiheit ...“ diskutieren Dorotty Szalma (Theater der Altmark), Nina Schmulius (Projekt RE:LOCAL, Freie Universität Berlin), Katrin Reimer-Gordinskaya (Hochschule Magdeburg-Stendal) mit ihm. Sie werden über mögliche Bedrohungen und zukünftige Szenarien sprechen, aber auch mit welcher Haltung in den jeweiligen Bereichen agiert werden kann oder gar muss. Und es wird erörtert, welche „Chancen“ trotz aller Zumutungen für eine neue eigene Standortbestimmung und Netzwerkarbeit in der Situation liegen.

Zu sehen ist die Installation dann bis zum 9. November. Günter Mey: „Unklar ob bis zum Ende so, wie sie aufgebaut wurde. Denn schon vor zwei Jahren kam es – aufgrund der hinterlassenen Sticker eindeutig identifizierbar – von rechtsextremistischen Gruppen zu Zerstörungen. Künstlerisch beabsichtigt ist dagegen aber, dass die Protest-Aussagen auf den Schildern aufgrund von Witterung zunehmend verblassen oder ganz verschwinden, passend eben zur aktuellen Situation“. 

Hier geht es zur Webseite des Projektes:
ausstellung-stendal89.h2.de


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Norbert Doktor

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