Kitas werden klimafit

Bei 36 Grad in der Sonne hält es auch Henriette Prössel auf der Schaukel nicht lange aus. Gemeinsam mit Kitas entwickelt sie Lösungen für den Umgang mit Hitze. Foto: Laura Naujoks

Der Sandkasten liegt in der prallen Sonne, im Gruppenraum staut sich die Wärme. Steigt das Thermometer auf über 30 Grad, wird aus Sommerfreude schnell eine Belastungsprobe. Besonders für Kinder, die Hitze schlechter ausgleichen können als Erwachsene. Doch wie lassen sich Kitas auf immer heißere Sommer vorbereiten? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Forschungsprojekt der Hochschule Magdeburg-Stendal, das Klimaanpassung, Klimaschutz und Gesundheitsförderung verbinden will.

„Hitze ist dabei nur ein Teil des Problems. Zunehmende Extremwetterereignisse, stärkere Allergien und schlechtere Luftqualität können die Gesundheit von Kindern beeinträchtigen“, sagt Henriette Prössel, wissenschaftliche Mitarbeiterin im vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Projekt „Klimagesundheit in Kitas“.

Weil viele Kinder einen Großteil ihres Tages in der Kita verbringen, setzen die Forschenden genau dort an. In sogenannten Klimazirkeln bringen sie Eltern, pädagogische Fachkräfte, Leitungen und Träger zusammen, um Herausforderungen zu benennen und praxistaugliche Lösungen zu entwickeln. „Die Lösungen sollen aus den Kitas heraus entstehen und nicht von oben aufgestülpt werden“, sagt Prössel. „Dabei helfen wir, wissenschaftliche Erkenntnisse, politische Vorgaben und Empfehlungen – etwa das Hitzeschutzkonzept des Landes Sachsen-Anhalt oder den Muster-Hitzeaktionsplan für Kitas – in die Praxis zu übersetzen.“

Am Projekt beteiligt sind die Kita „Regenbogenland“ in Berkau und die Kita „Hummelhaus“ in Wernigerode. Beide Einrichtungen haben sich dafür entschieden, ihre Außengelände in den Blick zu nehmen. Mehr Schatten und bessere Möglichkeiten zur Abkühlung stehen dabei im Mittelpunkt.

„Unser Außengelände verfügt bereits über viele schattige Bereiche. Gleichzeitig stellen die zunehmenden Hitzeperioden uns vor neue Herausforderungen“, sagt Dorothee Gerlach, Leiterin der Kita „Hummelhaus“. In Berkau wird der Denkmalschutz zur Herausforderung. „Wir dürfen keine Beschattung von außen anbringen. Dem Träger fehlt die Freigabe im Sinne des Kindeswohls zu entscheiden“, erklärt Katrin Becker, Leiterin der Kita „Regenbogenland“.

Andere Veränderungen scheitern an knappen finanziellen Ressourcen oder an Behördenauflagen. „Eine Klimaanlage ist angedacht, muss aber im Haushalt der Stadt eingeplant werden. Das dauert leider sehr lange“, berichtet Becker.

Dennoch beobachtet Prössel viel Kreativität. Oft seien schon kleine Anpassungen hilfreich – etwa zusätzliche Trinkmöglichkeiten, mehr Ruhephasen oder ein veränderter Tagesablauf an heißen Tagen. Doch damit allein ist es aus ihrer Sicht nicht getan. Für sie braucht eine klimaangepasste Kita viel Grün, schattige Spielbereiche und ein angenehmes Raumklima, damit sich Kinder und Fachkräfte wohlfühlen und der Alltag auch im Sommer gut funktioniert.

Auch Dorothee Gerlach denkt das Thema weiter. „Ich wünsche mir, dass wir unsere Kita Schritt für Schritt nachhaltiger gestalten können – auf dem Außengelände und darüber hinaus. Gemeinsam wollen wir Ideen entwickeln, wie wir Klimaschutz und Gesundheit im Kita-Alltag weiter stärken können.“

Von Laura Naujoks

Kontakt

Pressesprecher Norbert Doktor

Pressesprecher
Norbert Doktor

Tel.: (0391) 886 41 44
Fax: (0391) 886 41 45
E-Mail: pressestelle@h2.de

Besucheradresse: Haus 4, Raum 1.03

Kontakt und Anfahrt

Hintergrund Bild