PlatinA: Wenn Maschinenbau und KI zusammenarbeiten
Die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Projektes Wael Kheshfeh (l.) und Sebastian Linke sind stolz auf die Auszeichnungen. Foto: Norbert Doktor
Ein Forschungsprojekt an der Hochschule Magdeburg-Stendal entwickelt digitale Assistenzsysteme, die kleine und mittlere Unternehmen bei komplexen Fertigungsprozessen unterstützen sollen.
Große Unternehmen können hohe Summen in Automatisierung und Digitalisierung investieren. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist das deutlich schwieriger umzusetzen. Prozesse, welche funktionieren bleiben deshalb häufig unverändert. Auch wenn neue Technologien Verbesserungen möglich machen würden. Genau hier setzt das Forschungsprojekt PlatinA an. Das Projekt soll den Zugang zu digitalen Lösungen erleichtern und wertvolles Expertenwissen für die industrielle Fertigung nutzbar machen. Die Software basiert überwiegend auf frei verfügbarer Open-Source-Technologie, um die Kosten für Unternehmen möglichst gering zu halten.
Interdisziplinäre Forschung mit internationaler Resonanz
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Projekts ist die Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche der Hochschule. Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik und Künstliche Intelligenz greifen hier ineinander. Während zum Beispiel die Maschinenbauexperten ihr Wissen über Maschinen und Fertigungsprozesse einbringen, entwickeln die IT-Fachleute die digitalen Schnittstellen und Assistenzfunktionen. Die umfangreiche Laborhalle der Hochschule ermöglicht es, industrielle Bedingungen praxisnah nachzubilden und die Systeme an Maschinen zu erproben. Auch international findet das Projekt große Beachtung. PlatinA wurde auf mehreren wissenschaftlichen Konferenzen vorgestellt, unter anderem in Portugal und in Cambridge, Großbritannien. Die Rückmeldungen aus der Fachwelt helfen, die Entwicklung weiterzuentwickeln.
Unterstützung statt Vollautomatisierung
Die Plattform ist modular aufgebaut und soll sich flexibel erweitern lassen. Bereits in der Entwicklung sind mehrere Assistenzsysteme, die beispielsweise beim Messen, bei der Analyse von Sensordaten oder bei der Prozessoptimierung helfen. Künstliche Intelligenz (KI) soll dabei unterstützen, die Informationen auszuwerten und komplexe Abläufe besser verständlich zu machen. Die Technik soll den Menschen unterstützen, ihm die Entscheidungen aber nicht vollständig abnehmen. Auch unerfahrene Anwender sollen dadurch in der Lage sein, anspruchsvolle Prozesse zu verstehen und zu starten. Expertenwissen bleibt dabei eine wichtige Grundlage für die Entwicklung und Bewertung der Systeme.
Eine Grundlage für die Industrie von morgen
Langfristig soll PlatinA eine Grundlage schaffen, auf der Unternehmen eigene digitale Anwendungen entwickeln können. Das Projekt will damit nicht nur einzelne Fertigungsprozesse verbessern, sondern auch insbesondere KMU den Einstieg in die Digitalisierung erleichtern. Die Zusammenarbeit stärkt zugleich den Austausch zwischen den Fachbereichen. Gleichzeitig eröffnet das Projekt neue Perspektiven für die Forschung an der Hochschule Magdeburg-Stendal.
Noch befindet sich PlatinA in der Entwicklungsphase. Maschinenbauexperten prüfen noch die Assistenzsysteme und vergleichen ihre Einschätzungen mit den Ergebnissen der KI-Analysen. Auf dieser Grundlage werden die Anwendungen dann weiter verbessert und ausgebaut. Eine direkte Erprobung bei nicht am Projekt beteiligten Unternehmen ist derzeit noch nicht vorgesehen.
Text: Paula Charlotte Völker
PlatinA auf einen Blick
Laufzeit: 1. Januar 2024 bis mindestens zum 31. Dezember 2027
Förderung: Förderprogramm „Sachsen-Anhalt WISSENSCHAFT“ aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)
Leitung: Prof. Dr.-Ing. Rüdiger Mecke
Im September 2026 wurde das Projekt zweimal international ausgezeichnet. In Genua (Italien) und in Cambridge (Großbritannien) erhielt das Forschungsteam jeweils einen Best Paper Award.


