Stendaler Studierende gegen Zweitwohnsitzsteuer

Luca Muschalla (l.) und Thurid Rickmann vertreten die Studierenden, hier im Gespräch mit Prof. Dr. Volker Wiedemer, Prorektor für Hochschulsteuerung und -marketing sowie für den Standort Stendal. Foto: Mark Helle

Stendal. Die Studierenden der Hochschule Magdeburg-Stendal in Stendal sprechen sich geschlossen gegen die Einführung einer Zweitwohnsitzsteuer an ihrem Hochschulstandort aus. In einer gemeinsamen Stellungnahme der Fachschaftsräte AHW (Fachbereich Angewandte Humanwissenschaften) und WiWi (Fachbereich Wirtschaft) aus dem Januar 2026 weisen sie darauf hin, dass eine solche Steuer zentrale Standortvorteile Stendals gefährden und unbeabsichtigte negative Effekte für Stadt und Hochschule nach sich ziehen könnte. Prorektor Prof. Dr. Volker Wiedemer unterstützt das studentische Anliegen. 


Aus Sicht der Studierenden ist Stendal insbesondere durch vergleichsweise moderate Mietpreise und kurze Wege ein attraktiver Studienort. Gleichzeitig werde das studentische Leben – anders als in größeren Städten – stark vom Campus geprägt, da viele kulturelle und gesellschaftliche Angebote außerhalb der Hochschule nur eingeschränkt verfügbar seien. „Gerade weil Stendal im Vergleich zu größeren Hochschulstädten andere Rahmenbedingungen hat, sind günstige Mieten ein zentraler Faktor für die Entscheidung, hier zu wohnen und zu studieren“, heißt es in der studentischen Stellungnahme.

Besonders kritisch sehen die Studierenden den finanziellen Effekt der geplanten Steuer. Durch eine Zweitwohnsitzsteuer von zehn Prozent auf die Jahresnettokaltmiete würde Stendal im direkten Vergleich sogar teurer als Magdeburg werden. Damit verlöre die Stadt einen entscheidenden strukturellen Vorteil im Wettbewerb der Hochschulstandorte.

„Dadurch richtet Stendal einen strukturellen Vorteil gegen sich selbst. Dabei handelt es sich nicht um Geldbeträge, sondern um einen verschenkten Vorteil im Wettbewerb der Hochschulstandorte“, heißt es weiter. Hinzu kommen veränderte Rahmenbedingungen des Studierens. Durch das Deutschlandticket und die gute Bahnanbindung sei es für viele Studierende inzwischen problemlos möglich, in Magdeburg zu wohnen und dennoch in Stendal zu studieren – bei größerem kulturellem Angebot und vergleichbaren Kosten.

Besonders betroffen wären einkommensschwächere Studierende, etwa BAföG-Empfängerinnen und BAföG-Empfänger. Die Steuer stelle für sie eine zusätzliche finanzielle Belastung dar und könne Verdrängungseffekte auslösen. „Für auf BAföG angewiesene Studierende ist das eine zusätzliche Last. Die Kaufkraft der Studierenden wird sinken“, warnen die Fachschaftsräte. Langfristig, so die Befürchtung, verfehle die Zweitwohnsitzsteuer sogar ihr eigentliches Ziel. Statt Mehreinnahmen und zusätzlicher Einwohner drohten Abwanderung, sinkende Kaufkraft und der Verlust potenzieller Bürgerinnen und Bürger.

Als konstruktive Alternative verweisen die Studierenden auf das Beispiel Braunschweig. Dort existiert zwar ebenfalls eine Zweitwohnsitzsteuer in Höhe von zehn Prozent, Studierende und Auszubildende sind jedoch ausdrücklich davon ausgenommen. „Wir verstehen die kommunalen Vorzüge, fordern aber eine soziale Differenzierung für wirtschaftlich schwächere Personengruppen“, betonen die Studierenden abschließend. 


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