Uniklinik Halle im Fokus der Wasserforschung

Dr. Felix Glahn, Staatssekretär Dr. Steffen Eichner und Prof. Dr. Jürgen Wiese im Keller der Uniklinik Halle (v. l.). Foto: Arvid Rostek

Dr. Felix Glahn, Staatssekretär Dr. Steffen Eichner und Prof. Dr. Jürgen Wiese im Keller der Uniklinik Halle (v. l.). Foto: Arvid Rostek

Hoher Wasserverbrauch, belastetes Abwasser: Ein Forschungsprojekt der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Universitätsmedizin Halle sucht nach neuen Wegen für ein ressourcenschonendes Wassermanagement in Krankenhäusern. Im Mittelpunkt stehen sowohl der Trinkwasserbedarf als auch innovative Verfahren zur Reinigung von Abwasser, etwa zur Entfernung von Arzneimittelrückständen und Krankheitserregern. 

Die Ansätze sollen direkt am Universitätsklinikum Halle (Saale) (UKH) auf ihre Wirtschaftlichkeit und Effizienz hin getestet werden. Ziel ist es, praktikable Lösungen zu entwickeln, die auch auf andere Einrichtungen des Gesundheitswesens übertragbar sind.

Krankenhäuser benötigen enorme Mengen Wasser, bis zu 600 Liter pro Belegbett und Tag. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt verbraucht jede Person täglich 126 Liter Trinkwasser im Haushalt. Am UKH analysiert man im Rahmen des Vorhabens deshalb bereits seit Mitte 2025 die Wasserverbräuche und Abwasserströme genauer. „Große Mengen entfallen beispielsweise auf die Dialyse oder die Sterilgutversorgung. Aber auch viele kleinere Verbraucher wie Spül- und Waschmaschinen summieren sich im Klinikalltag schnell“, erklärt Projektleiter Dr. Felix Glahn, Laborleiter des Instituts für Umwelttoxikologie der Universitätsmedizin Halle. „Erste Erfahrungen aus anderen Kliniken zeigen, dass sich der Trinkwasserverbrauch nahezu halbieren lässt, etwa durch die Nutzung von Regen- oder Grauwasser.“

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist die Reinigung belasteter Abwässer. Die Forschenden erproben dabei moderne Verfahren, um Rückstände von Arzneimitteln und Krankheitserregern möglichst gezielt aus dem Abwasser zu entfernen. „Das Projekt setzt dort an, wo relevante Abwasserbelastungen entstehen“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Wiese, Co-Antragsteller und Professor für Siedlungswasserwirtschaft mit dem Schwerpunkt Abwasser an der Hochschule Magdeburg-Stendal. „Ein besonderes Augenmerk liegt auf Antibiotika, deren Eintrag wir besser erfassen und möglichst reduzieren wollen. Dazu testen wir verschiedene neuartige Filtrations- und Oxidationsverfahren. So wollen wir auch die Entstehung multiresistenter Erreger eindämmen.“ Darüber hinaus sollen Möglichkeiten entwickelt werden, die im Abwasser enthaltene Wärme zurückzugewinnen.

Die Reinigungsversuche werden begleitet durch Studien am Institut für Umwelttoxikologie der Universitätsmedizin Halle, um unerwünschte Effekte von Antibiotikarückständen zu untersuchen – sowohl vor als auch nach der Reinigung. Denn deren chemische Abbauprodukte könnten nach einer Aufbereitung weiterhin problematisch sein. Tests mit Fadenwürmern und Algen helfen dabei, die Auswirkungen genauer abzuschätzen. 

„Das Projekt verbindet zwei zentrale Herausforderungen: den verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Wasser und die Eindämmung multiresistenter Keime. Gerade in einer niederschlagsarmen Region wie Sachsen-Anhalt brauchen wir nachhaltige Lösungen für das Wasser- und Abwassermanagement im Gesundheitswesen“, sagt Wiese.

Das Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt fördert das Projekt bis Mitte 2028 mit rund 983.000 Euro. 

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Norbert Doktor

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