Neue Monitoringverfahren für den Insektenschutz: Projekt InsectCare gestartet
Das deutsch-polnische Projekt InsectCare entwickelt und erprobt innovative Verfahren, um Insektenvorkommen, Habitatqualität und Renaturierungserfolge verlässlich zu erfassen und den Insektenschutz in der Praxis zu stärken.
Insekten erfüllen zentrale Funktionen in Ökosystemen: Bestäuber sichern die Fortpflanzung zahlreicher Wild- und Kulturpflanzen, wassergebundene Arten sind wichtige Indikatoren für die Qualität von Gewässern und Feuchtlebensräumen. Allerdings gehen ihre Bestände vielerorts zurück.
Wie lassen sich daher belastbare Datengrundlagen schaffen, um Bestäuber und andere Insekten wirksam zu schützen? Wie kann gemessen werden, ob renaturierte Lebensräume tatsächlich artenreicher und ökologisch wertvoller werden? Und wie lassen sich neue Monitoringmethoden so entwickeln, dass sie auch in der Praxis einsetzbar sind?
Diesen Fragen widmet sich das deutsch-polnische Projekt InsectCare, das am 1. April 2026 gestartet ist und für drei Jahre geplant ist. Gefördert wird es vom Land Sachsen-Anhalt. Im Mittelpunkt stehen Bestäuber, Laufkäfer sowie wassergebundene Insekten wie Libellen, Köcherfliegen und aquatische Käfer. Ziel des Projekts ist es, neue Methoden zu entwickeln und zu erproben, mit denen sich Habitatqualität und Renaturierungserfolge verlässlich erfassen lassen. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Umsetzung der EU-Renaturierungsverordnung, mit der geschädigte Ökosysteme in Europa schrittweise wiederhergestellt, ihre biologische Vielfalt gestärkt und unter anderem der Rückgang von Bestäubern aufgehalten werden sollen.
InsectCare verbindet klassische Insektenkartierung mit technologisch gestütztem Monitoring. Ergänzend zu etablierten Feldmethoden werden Bioakustik, Videoanalyse, Biotelemetrie und Künstliche Intelligenz eingesetzt. So können Vorkommen, Aktivitätsmuster und Habitatnutzung standardisierter, über längere Zeiträume und möglichst eingriffsarm erfasst werden. Ergänzend entwickelt und erprobt das Projekt Maßnahmen zur Habitatverbesserung, darunter innovative Nisthilfen für Bestäuber.
Beteiligt als wissenschaftliche Einrichtungen sind die Hochschule Magdeburg-Stendal und die Universität Ermland-Masuren in Olsztyn, Polen, in Kooperation mit der University of Life Sciences in Poznań. Als Reallabore dienen das UNESCO-Biosphärenreservat Drömling in Sachsen-Anhalt und der Welski Park in Polen. Die Hochschule Magdeburg-Stendal, AG Ingenieurökologie unter Leitung von Frau Prof. Dr. Petra Schneider, koordiniert das Projekt und bündelt ihre Expertise aus Renaturierung, Ökologie, Ingenieurwissenschaften und KI. Ein „Insect Knowledge Hub“ soll die im Projekt gewonnenen Daten und Erkenntnisse langfristig für Forschung, Praxis und Bildung sichern und für Bildungszwecke zugänglich machen. Involviert sind unter dem Dach des Instituts für Wasserwirtschaft und Ökotechnologie (IWO) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Fachbereiche Wasser, Umwelt, Bau und Sicherheit (WUBS) sowie Ingenieurwissenschaften und Industriedesign (IWID).
Kooperationsreise zur Projektvorbereitung im Oktober 2025 in Olsztyn und im Welski Park. Bild: Prof. Dr. Petra Schneider
WEITERES BILDMATERIAL:
https://ingenieuroekologie.wubs.h2.de/pages/de/projekte/insectcare.php
Fotografin: Prof. Dr. Petra Schneider

