Restsande als Ressource: RENO-TITAN mit Partnern in Vietnam
Die Hochschule Magdeburg-Stendal ist federführender Partner im deutsch-vietnamesischen CLIENT-II-Projekt RENO-TITAN, welches durch die AG Ingenieurökologie bearbeitet und durch das BMBF finanziert wird. Gemeinsam mit den deutschen Praxispartnern Eurofins IAF Radioökologie GmbH und Wisutec GmbH sowie mehreren Einrichtungen in Vietnam untersucht das internationale Team seit April 2023, wie der Titanbergbau aus Strahlenschutzsicht zu bewerten ist und inwieweit die dabei anfallenden feinkörnigen Restsande sicher als teilweiser Ersatz für Baumaterialien genutzt werden können – ein zentrales Thema im von Sandknappheit geprägten Vietnam.
Ende November 2025 reiste eine Delegation der deutschen Partner nach Vietnam, um vier Monate vor Projektende zentrale Ergebnisse vorzustellen, nächste Schritte mit Behörden, Industrie und Wissenschaft abzustimmen und künftige Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu besprechen. Ein Schwerpunkt war ein Kooperationsworkshop an der Industrie-Universität Ho-Chi-Minh-Stadt, der vietnamesischen Partnerhochschule der Hochschule Magdeburg-Stendal. Dort wurden sowohl die radiologische Bewertung der Restsande als auch konkrete Kooperationsideen vertieft diskutiert. Zudem initiierte und organisierte RENO-TITAN eine wissenschaftliche Session „Natürliche Radioaktivität in der Umwelt“ im Rahmen der Internationalen Vietnam-Konferenz zu Erd- und Umweltwissenschaften 2025 in der Küstenstadt Quy Nhon. Fachleute aus Vietnam, Indonesien, Thailand, Japan, Frankreich und Deutschland tauschten sich dabei über natürliche Radioaktivität, NORM-Rückstände und praktische Lösungen im Umwelt- und Strahlenschutz aus.
Aktuell laufen am Fachbereich Wasser, Umwelt, Bau und Sicherheit der Hochschule noch Elementanalysen verschiedener Restsandfraktionen. Parallel prüft die Industrie-Universität Ho-Chi-Minh-Stadt in Laborversuchen die bautechnische Eignung ausgewählter Restsande nach vietnamesischen Standards. Aus den Gesprächen haben sich zudem Themen ergeben, die über den Titanbergbau hinausreichen – etwa die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Branchen, die bessere Abstimmung nationaler und provinzieller Vorgaben, Lebenszyklusanalysen zur Bewertung von Umweltvorteilen sowie gemeinsame Projekte zu Radonmessungen oder zum Umgang mit radioaktiven Abfällen aus der Medizin. Die gemeinsamen Resultate sollen in praxisnahe Empfehlungen münden, wie Vietnam seine Restsande künftig sicher und ressourcenschonend nutzen kann.
Bild 1: Kooperationsworkshop mit den vietnamesischen Partnern an der Industriellen Universität in Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam, am 29.11.2025. Foto: Anna Belousova.

