Das KliMax-Tool

Excel-Tool für Institutionen zur Erstellung von Treibhausgas-Bilanzen und Zukunftszenarien

Die Hochschule Magdeburg-Stendal betrachtet den Klimaschutz als eine fortlaufende Verpflichtung, auch in ihrer Region aktiv zum Klimaschutz beizutragen. Ziel sollte es sein, dass Institutionen möglichst effizient die Klimaziele erreichen können. Dies gelingt mit einem betriebseigenem Controlling bspw. mit einer Treibhausgasbilanzierung, mit der auch kurz-, mittel- und langfristige Stellschrauben für den Klimaschutz erkannt werden können. Im besten Fall können die Ergebnisse als strategische und politische Entscheidungsgrundlage genutzt werden.

Um dieser Vision gerecht zu werden, hat das Klimaschutzmanagement das KliMax-Tool (kurz: KliMax) entwickelt – ein Tool, das Organisationen ermöglicht, Treibhausgasbilanzen mit Zukunftsszenarien zu erstellen.

Ziele und Anforderungen von KliMax

Verwenden Sie dieses leistungsfähige Instrument, um die Klimaschutzaktivitäten Ihrer Organisation zu quantifizieren, gezielt wirksame Maßnahmen zur Emissionsreduzierung zu identifizieren und klare, individuelle Klimaziele festzulegen. Auf diese Weise können Sie einen fundierten Weg für eine klimafreundlichere Zukunft gestalten.

  • Mit diesem Tool können Sie Ist-Bilanzen eines Referenzjahres und der Vorjahre ab 2015 systematisch erfassen.
  • Mit Zukunftsszenarien können Sie zukünftige Emissionstrends bis zum Jahr 2050 in verschiedenen Szenarien modellieren, klimarelevante Maßnahmen erkennen und Sensitivitätsanalysen durchführen.
  • Einhaltung des technischen Annex der Kommunalrichtlinie, weitgehend auch BISKO und GHG-Protocol
  • Integration der aktuellsten Emissionsfaktoren aus führenden kostenfreien Datenbanken mit transparenter Quellenangabe
  • Individuell anpassbar für die unterschiedlichen Rahmenbedingungen
  • Zudem wird durch ein benutzerfreundliches Excel-Tool mit nur einer Datei für alle Jahre die Methodenvielfalt innerhalb der Institution reduziert, was die Nachvollziehbarkeit und Vergleichbarkeit der Ergebnisse verbessert, insbesondere für nachfolgende Nutzer*innen.
  • Kostenfrei + frei verfügbar
  • Mindestens jährliche Anpassung der Daten durch M.Sc. Ing. Julia Zigann.

Zielgruppen

KliMax ist hauptsächlich darauf ausgerichtet, Institutionen (v.a. Hochschulen) mit einem NKI gefördertem Klimaschutzmanagement innerhalb Deutschlands die Möglichkeit zu bieten, gezielt verschiedene Handlungsfelder im Bereich des Klimaschutzes zu analysieren. KliMax wurde 2021 entwickelt, anschließend an der Hochschule Magdeburg-Stendal und im Projekt "KlimaPlanReal" getestet und seit 2024 für die Öffentlichkeit verfügbar gestellt.

KliMax erfüllt für Institutionen die Anforderungen des technischen Annexes der Kommunalrichtlinie für Institutionen, weitgehend die Kriterien des BISKO-Standards und des GHG-Protocols. Als Excel-basiertes Tool bietet KliMax den klaren Vorteil einer kostenfreien Nutzung und einer benutzerfreundlichen Handhabung ohne aufwändige Einarbeitung.

Handlungsfelder/ Bilanzgrenze

Die Handlungsfelder (Bilanzgrenze), die mit dem Tool bilanziert werden können, umfassen:

Scope 1 + 2 (verpflichtend nach BISKO und GHG-Protocol)

  • Elektrische Energie (nach dem Dual Reporting: Bundesmix und Regiomix sowie zwei weitere optionale Modelle: KS80 und ein individuelles Stromszenario)
  • Wärme (inkl. institutseigenes BHKW nach Carnot oder finnischer Methode)
  • Kälte (für die häufigsten Kältemittel)
  • Mobilität der Institution (Fuhrpark).

Scope 3 (optional)

  • Mobilität der Institution (Dienstreisen, Outgoing Studierendenreisen, Exkursionen)
  • Mobilität außerhalb des Betriebs (Pendeln, Studierendenreisen Incoming, An- und Abreise von Gästen)
  • bezogene Waren und Dienstleistungen (wie EDV und Kapitalgüter aus der Baubranche)
  • Wasser (Frisch- und Abwasser)
  • Abfall
  • Bezogene Kapitalgüter (u. A. Bau).

Negative Emissionen (optional, müssen im Bericht extra ausgewiesen werden)

  • Bezogenen Kapitalgüter mit negativem GWP total
  • Kompensation.

Ausgeschlossen

  • Eine besondere Herausforderung besteht in der Bilanzierung von bezogenen Waren und Dienstleistungen. Aufgrund der Komplexität und begrenzter Datenverfügbarkeit wurde im Tool eine Auswahl - angelehnt an das Tool "BayCalc"- aus dem Bereich Abfall, bezogene Waren und Dienstleistungen (wie EDV, Kapitalgüter aus der Baubranche) getroffen und durch weitere ergänzt. Das Tool ermöglicht daher auch die eigenständige Eingabe weiterer Produkte und Dienstleistungen, die fehlen.
  • Die Mensa ist in KliMax nicht enthalten. In den meisten Institutionen wird sie "extern" betrieben. Das Verbunheitsmaß können Sie mit dem Tabellenblatt "Verbundheitsmaß" prüfen. Die Datenbeschaffungder Mensa ist zudem meist sehr zeitintensiv. Zudem können Bemühungen durch saisonale, regionale und vegane Alternativen nur durch kostenspielige Datenbanken dargestellt werden, was das Tool kostenpflichtig machen würde. Aus diesem Grund empfehle ich die Bilanzierung der Mensen für Hochschulen über die Mensarevolution.

Methodik

Wirkungskategorie
KliMax ermöglicht eine ökologische Beurteilung hinsichtlich der Wirkungskategorie Klimawandel. Dabei wird die Umweltrelevanz, also die Schadwirkung der Emissionen auf die Umwelt, insbesondere die Entstehung von Treibhausgasen (THG) und des damit verbundenen Treibhauseffekts, dargestellt. Dieses Erderwärmungspotenzial wird als Global Warming Potential (GWP) in t CO2-Äquivalenten (deutsch: Äq. oder englisch: eq.) angegeben. Der Zeitrahmen des Treibhauspotentials beträgt 100 Jahre (GWP100).Allgemeine Auswirkungen des Klimawandels auf die Umwelt werden im KliMax nicht beschrieben, sondern als Wirkungsindikatorwert berechnet. Zur Charakterisierung des Klimawandels dient der Indikator GWP, der die Masse von CO2 angibt, die einem anderen THG entspricht, um denselben Effekt zu erzeugen [UBA 2022].

Funktionelle Einheit
Die Emissionen werden in KliMax durch Multiplikation des Verbrauchs mit dem entsprechenden Emissionsfaktor berechnet. Die Emissionen werden in Tonnen CO2-Äq. pro Jahr für die Institution angegeben. Zusätzlich werden in der KliMax-Auswertung weitere Kennzahlen wie Tonnen CO2-Äq. pro Angehörigen der Institution oder pro Quadratmeter (Nettofläche nach DIN 277) berechnet.

Sachbilanz
Bei der Dateneingabe werden die Verbräuche in den Einheiten der jeweiligen Handlungsfelder angegeben (s. Abschnitt Handlungsfelder, z. B. MWh für Energie, Pkm für Mobilität). Zusätzlich können Einheiten im Tabellenblatt "Umrechnen" umgerechnet werden.

Emissionsfaktoren
Das Tool wird durch das Klimaschutzmanagement der Hochschule Magdeburg-Stendal regelmäßig aktualisiert, sobald aktuellere Emissionsfaktoren vorliegen (möglichst einmal im Jahr). Für die jeweiligen Handlungsfelder wurden möglichst einheitliche Datenbanken genutzt (bspw. für Elektrische Energie möglichst GEMIS). Die verwendeten Datenbanken, der jeweilig zitierte Datensatzname und ggf. die Berechnungsmethode wird im Tool im Tabellenblatt Emissionsfaktoren in der letzten Spalte angegeben.

Alle vorliegenden Emissionsfaktoren zwischen 2015 und 2050 wurden im KliMax integriert. Für Jahre ohne verfügbaren Emissionsfaktor wurde in der Regel der jeweils Letzte genutzt.

Die in KliMax hinterlegten Emissionsfaktoren berücksichtigen die Vorketten (= indirekte Emissionen), was gemäß BISKO-Standard vorgeschrieben ist und mit dem GHG-Protocol vereinbar ist.

Systemgrenzen
Die Systemgrenze schließt alle Aktivitäten auf dem Grundstück der Institution einschließlich der außerhalb liegenden Aktivitäten bis 2050 ein, die für den Institutionsbetrieb relevant sind. Um festzustellen, ob Einheiten und Organisationen, die Ihrer Institution angehören, bilanziert werden sollten, kann mithilfe des Tools eine Überprüfung des Verflechtungsgrades mit der Institution durchgeführt werden (Methode gemäß BayCalc V. 1.6).

Alle nach dem GHG-Protocol verpflichtenden Datenpunkte (d. h. Scope 1 und 2) der meisten Institutionen werden in KliMax fett gedruckt kenntlich gemacht. Aus praktischen Gründen erfolgt im Tool keine Aufteilung (Splitting) der Emissionsfaktoren und Emissionen nach den Scopes 1 und 2 (d. h. drei Geltungsbereiche, in denen Unternehmen oder Organisationen THG emittieren [WRI & WBCSD 2004]), was allerdings im GHG-Protocol üblich ist. Die Unterscheidung zwischen stationären Emissionen durch Verbrennung (Scope 1), der Vorkette des Brennstoffs (2) sowie allen anderen indirekten Emissionen (3) beeinflusst weder die Maßnahmenentwicklung an Institutionen wie Hochschulen noch erhöht sie die Transparenz der Auswertung, sofern die Systemgrenzen beschrieben, die Handlungsfelder erkenntlich sind und die Vorketten bilanziert werden. KliMax unterscheidet daher ausschließlich nach Datenpunkten, Jahren und bilanziert auch die Vorketten, sodass dies keine Auswirkungen auf das Endergebnis hat.

Referenzszenarien

  • Stellen die THG-Emissionen dar, wenn keine weiteren Maßnahmen ergriffen werden und die Rahmenbedingungen unverändert bleiben.
  • Basierend auf der Annahme, dass der bisherige Verbrauch im Durchschnitt in der Zukunft konstant bleibt.
  • Kann auch nach individuellen Kriterien erstellt werden, beispielsweise bei steigendem Verbrauch an elektrischem Strom.

Klimaschutzszenarien

  • Zeigen die Minderung der THG-Emissionen bei Umsetzung einer konsequenten Klimaschutzpolitik in der Institution.
  • Die Klimaschutzszenarien basieren auf Minderungsberechnungen gemäß des jährlichen Minderungsfaktors (Zinses-Zins Rechnung), welcher gemäß der Klimaziele der Institution eingetragen werden können.
  • Erlauben die manuelle Eingabe weiterer Annahmen für die Szenarien, wie beispielsweise den Verzicht auf Diesel-Fahrzeuge im Fuhrpark ab 2025.

Datengüte
Ökologische Bewertungen werden oft durch eingeschränkte Datenqualität und Durchschnittswerte beeinträchtigt. Die eingegebenen Daten können beispielsweise Durchschnittsverbräuche oder stöchiometrischen Berechnungen sein, was die Datengüte beeinflusst. Daher kann die Datengüte (A - regionale Primärdaten bis D - bundesweite Kennzahlen) für das Referenzjahr eingegeben werden und somit gemäß BISKO-Standard die Datengüte der Endergebnisse (gut belastbar bis bedingt belastbar) berechnet werden.

Auswertung

Optionen zur Auswertung
KliMax bietet folgende Auswertungen:

  • Ist-Bilanz, Referenzszenarien und Klimaschutzszenarien bis 2050 als Gesamtemissionen (Scope 1 bis 3) pro Jahr für die gesamte Institution, pro Angehörige:r der Institution und pro Quadratmeter
  • Emissionen je Handlungsfeld pro Jahr
  • Dual Reporting des Elekektrischen Stroms (Bundesmix und Regiomix) sowie optionale Reportingmodelle mit dem Bundesmix KS80 (für Klimaschutzszenarien) und ein individuelles Klimaschutzszenario
  • Datengüte der Endenergie
  • Verflechtungsmaß mit verbundenen Einheiten
  • Auswertung der Mobilität (Modal Split).

Aussagekraft
Trotz der Nützlichkeit von Ist-Bilanzen und Zukunftsszenarien sollten Nutzer und Nutzerinnen bedenken, dass sie gewisse Grenzen in Bezug auf ihre Aussagekraft haben. Sie liefern grobe Tendenzen, die stark von der Qualität der Datengrundlage abhängen, und können ein umfassendes Klimaschutz-Controlling nicht ersetzen. Dies stellt eine Einschränkung bei der Bewertung und Interpretation von Ergebnissen dar. Für die Entwicklung gezielter Maßnahmen sind weiterführende Analysen, wie beispielsweise Potenzialanalysen im Bereich Energieeffizienz, unter Berücksichtigung sämtlicher relevanter Rahmenbedingungen unerlässlich.

Nationale Klimaschutzinitiative

Die Hochschule Magdeburg-Stendal erhält für das Vorhaben „Anschlussvorhaben des Klimaschutzmanagements an der Hochschule Magdeburg-Stendal in Magdeburg und Stendal" eine Zuwendung aus den Mitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative.

Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative initiiert und fördert das Bundesumweltministerium seit 2008 zahlreiche Projekte, die einen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen leisten. Ihre Programme und Projekte decken ein breites Spektrum an Klimaschutzaktivitäten ab: Von der Entwicklung langfristiger Strategien bis hin zu konkreten Hilfestellungen und investiven Fördermaßnahmen. Diese Vielfalt ist Garant für gute Ideen. Die Nationale Klimaschutzinitiative trägt zu einer Verankerung des Klimaschutzes vor Ort bei. Von ihr profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Unternehmen, Kommunen oder Bildungseinrichtungen.

Anschlussvorhaben
Titel des Projekts: „Anschlussvorhaben des Klimaschutzmanagements an der Hochschule Magdeburg-Stendal in Magdeburg und Stendal“
Beteiligte Partner: Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH als Projektträger für das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Förderkennzeichen:
67K16229-1
Laufzeit: 01.11.2023 bis zum 31.10.2026
Projektleiterin: Prof. Dr. rer. nat. Petra Schneider
Klimaschutzmanagerin: M.Sc. Ing. Julia Marie Zigann

Download

KliMax-Tool Version 1.3 (16.04.2024)
Microsoft Excel Tabelle [1.029 KB]
kostenfrei, Mindestvoraussetzung: Excelversion 2019 oder spätere Versionen

Download Blanco V. 1.3
Download Berechnungsbeispiel

KliMax-Tool© 2024 by Julia Zigann (Hochschule Magdeburg-Stendal) is licensed under CC BY-NC-SA 4.0

Kontakt

Klimaschutzmanagerin

Ing. Julia Marie Zigann (M.Sc.)

Tel.: (0391) 886 45 33
Fax: (0391) 886 42 13
E-Mail:  julia-marie.zigann[at]h2.de

Besucheradresse: Haus 6 Raum 2.25
Sprechzeiten: nach Terminvereinbarung (auch auf dem Campus in Stendal)

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